Die berühmten Mosaiken von Ravenna
In unmittelbarer Nähe zum Blau der Adria und vom Grün herrlicher Pinienwälder umgeben, liegt die italienische Stadt Ravenna, die im zweiten Jahrtausend vor Christus gegründet wurde. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der Region Emilia-Romagna stand abwechselnd unter weströmischer, gotischer und byzantinischer Herrschaft und erlebte im fünften und sechsten Jahrhundert nach Christus eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit. Es entstanden zahlreiche Kirchen, Taufkapellen und Mausoleen, die mit kostbaren Mosaiken ausgestattet sind – acht Gebäude wurden deshalb im Jahre 1996 in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen.

San Vitale: Kaiser Justinian und Erzbischof
Maximian mit Ministranten
Die bedeutendsten Mosaiken finden sich wohl in der Basilika San Vitale, die zwischen 526 und 548 nach Christus erbaut wurde. Die frühchristliche Kirche besteht aus einem oktogonalen Zentralbau, der später als Vorbild für den Grundriss der Aachener Pfalzkapelle dienen sollte. San Vitale besitzt die umfangreichste Mosaikverzierung von allen frühchristlichen Kirchen in Ravenna – die außerordentlich gut erhaltenen Wand- und Deckenmosaiken zeigen sowohl Szenen aus dem Alten Testament als auch Portraits von Kaiser Justinian und seiner Gemahlin Theodora in Begleitung ihres Hofstaates. Justinian voran schreitet der Bischof Ravennas – durch eine Inschrift als Maximian bezeichnet –, der die Mosaikausstattung vollenden ließ. Die weltberühmten Mosaiken leuchten in den prächtigsten Farbtönen: Sie bestehen aus farbechten (Halbedel-)Steinen und beeindrucken durch strahlendes Blau, Grün und Gold – Farben, die vor allem für die Gestaltung des Hintergrundes verwendet wurden.

San Vitale: Kaiserin Theodora
In unmittelbarer Nachbarschaft zur Basilika San Vitale befindet sich das Mausoleum der Galla Placidia, die 450 nach Christus in Rom starb. Aus diesem Grund wird angenommen, dass die Kaiserin nicht im Mausoleum beigesetzt wurde – unbestritten ist jedoch die Tatsache, dass sie es war, die die Stadt prächtig ausbauen ließ. Ihr Mausoleum jedenfalls zieren prunkvolle Mosaiken, die die gesamte Fläche des Gewölbes und der zentralen Kuppel sowie einen Großteil der Wände bedecken. Die Arbeiten im spätantiken Stil zeigen Figuren- und Landschaftsdarstellungen: Die Decke stellt ein tiefblaues Himmelsgewölbe mit weiß-goldenen Sternen dar, die als die schönsten Sternendarstellungen der Spätantike gelten. Die Mosaiken des Mausoleums haben als generelles Thema die Erlösung, und so dürfen auch christliche Inhalte natürlich nicht fehlen – zu sehen sind Christus, der als Guter Hirte seine Schafe weidet, acht Apostelfiguren sowie die Symbole der vier Evangelisten.

Mausoleum der Galla Placidia:
Himmelsgewölbe und Guter Hirte
Neben sechs weiteren, von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannten Bauwerken gibt es in Ravenna eine Vielzahl anderer Kunstschätze verschiedener Epochen zu bewundern, die mit schillernden Mosaiken ausgestattet sind. Mosaikkunst ist auch heute noch das Aushängeschild des heimischen Kunsthandwerks und wird in zahlreichen Werkstätten gepflegt und sogar an Schulen gelehrt. Und wer sich selbst einmal an den bunten Steinchen versuchen möchte, der hat dazu in den Sommermonaten reichlich Gelegenheit – dann nämlich können Interessierte an Mosaik-Kursen in dem nahegelegenen Adriastrandbad Lido Adriano teilnehmen.
Fotos von www.12koerbe.de


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