Göttlich und strahlend: die Mosaiken der Hagia Sophia
Wer in Istanbul Urlaub macht, der trifft überall auf Spuren der Griechen, Römer, Byzantiner, Osmanen und Türken, denn die Metropole am Bosporus kann auf eine bewegte 2600-jährige Geschichte zurückblicken. Das wird auch bei einem Besuch der Hagia Sophia deutlich, denn das Bauwerk, das im 4. Jahrhundert von Kaiser Konstantin dem Großen gegründet wurde, war zunächst die christliche Hauptkirche von Byzanz, ehe es Mitte des 15. Jahrhunderts von den osmanischen Eroberern in den islamischen Kult überführt wurde. Seit 1934 ist die ehemalige Hauptmoschee der Osmanen ein Museum. Besonders sehenswert sind die prächtigen Mosaiken im Innenraum des Gebäudes, die heute wieder weitgehend freigelegt sind.
Die Hagia Sophia

Christus als Weltenherrscher (Pantokrator)
auf dem Thron mit dem Buch des Lebens,
zu seiner Rechten Kaiser Konstantin IX. (1042-1055)
Monomachos, zu seiner Linken Kaiserin Zoe (1028-1042)
Denn viele der christlichen Darstellungen mussten während und nach der Umwandlung zur Moschee unter Putz und Farbe verschwinden oder wurden gleich ganz zerstört. Das wenige, das erhalten geblieben ist, lohnt aber an sich schon einen Besuch. Zu den wertvollsten Mosaiken zählen die Darstellungen auf den oberen Galerien: Eine davon zeigt Christus als Weltenherrscher auf dem Thron mit dem Buch des Lebens, neben ihm Kaiser Konstantin IX. Monomachos und Kaiserin Zoe. Vorherrschende Farben sind Blau und Gold – der strahlende, goldene Hintergrund symbolisiert im Mittelalter den Himmel und soll das Bildgeschehen in eine immaterielle Wirklichkeit entrücken.

Deësis-Mosaik, Detail:
Jesus Christus, Fragment (12. Jh.)
Wunderschön gearbeitet ist auch das sogenannte Deësis-Mosaik an einer Wand der Südempore. Es zeigt Christus als Pantokrator (Weltenherrscher) und betont damit einmal mehr die Gottgleichheit Christi. Diese Darstellung des jüngsten Gerichts aus dem 12. Jahrhundert ist besonders detailliert gearbeitet und gilt als eines der eindrucksvollsten Mosaike der Welt.
Viele der Mosaiken wurden bereits Mitte des 19. Jahrhunderts von den Tessiner Gebrüdern Fossati freigelegt, die sich als eine der ersten mit der Renovierung und Bestandsaufnahme der Hagia Sophia beschäftigten. Heute kann der ursprüngliche Kirchenraum mit den späteren muslimischen Einbauten von Besuchern aus aller Welt bewundert werden.
Fotos von: © G.-Spengemann / pixelio.de


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